Von hinten sehe ich scheinbar aus wie eine Frau, die auf Off-Schulmedizin-Mittel vertraut. Einmal, als ich hier morgens laufen war, kam hinter mir einer angekeucht und rief mir im Überholen zu: „Danke für den Tipp mit dem Eigenurin, hat super geholfen!“ Kaum an mir vorbei, wurde er knallrot, lief aber tapfer noch fünf Runden. Vielleicht dachte er sich, wenn er jetzt nach Hause abbiegt, dann könnte man meinen, Na sooo super kann das mit dem Eigenurin ja nicht gewesen sein, wenn nach dreihundert Metern schon wieder Schluss mit Joggen ist.
Auf einer Küchenparty hat mir mal jemand erzählt, dass dieser Park früher eher übel war. Müll, Unkraut, geklaute Taschen und harte Drogen. Das soll dann den Anwohnern gestunken haben, sie wollten, dass ihr Park wieder schön wird. Das haben sie geschafft. Heute kann man ohne böse Folgen nachts um zwei durch den Park gehen. Bestimmt auch nackend, wenn's drauf ankommt! Alle geben sich Mühe, damit der Park so bleibt, wie er jetzt ist. Ich habe schon Besucher dabei beobachtet, wie sie anderer Leute Grillmüll zusammen sammelten und in Plastiktüten mit nach Hause nahmen. Niemand muss sich auf dem Weg um den kleinen Weiher irgendwelche dummen Sprüche von Dosenbier-Banden anhören. Und wo in diesem Teil Eimsbüttels was mit Drogen geht, weiß ich nicht, aber jedenfalls nicht hier.
Obwohl er jetzt so viel idyllischer ist als früher, ist er doch ganz klar ein umtriebiger Großstadtpark. Auf einer x-beliebigen Runde um den kleinen Ententeich kann man unter anderem sehen: die Jungs von der Lachgesellschaft (stehen im Kreis und rufen „ha-ha-ha-ha-ha-ha-ha“), den Bouleclub (die Hälfte der Mitglieder haben was aus Wolle an), zwei Kinder mit einem ferngesteuerten Boot, acht Kinderwagen, zwei lesende Mädchen (eine was aus der Edition Suhrkamp, eine die Brigitte Young Miss), drei Picknicks, zwei davon mit Einweggrill, eine kleine friedliche Mofagang und viele spazieren gehende Pärchen, die sich, wenn sie schlau sind, vorher in der kleinen Konditorei Kuchen geholt haben. Einmal saß auf dem Rasen eine Familie und hatte ihr Sonntagsessen dabei samt Brathähnchen, Kartoffelbrei und Nachtisch. Auf kleinstem Raum ist hier alles, was sonst auf eine Riesenfläche verstreut stattfindet. Normale Leute aus dem Viertel, nette Freaks, Kleinkinder, Jugendliche, Omis, Hunde, Enten, Wasser, Büsche, Wiesen, Schattenboxer, Bäume und seit etwa zwei Jahren auch ein Café. Es ist wie auf einem Wimmelbild von Ali Mitgutsch.
Seit das kleine vergammelte Klohäuschen an der Gärtnerstraßenseite als adrettes Café wiedergeboren wurde, muss man sich noch nicht mal was zu trinken mitbringen, wenn man zufällig eine Vorliebe dafür hat, abends auf dem kleinen Holzponton zu sitzen, zu lesen und den Enten beim Einschlafen zuzugucken. Früher war ich hier manchmal mit einer halben Flasche Rotwein, einer Decke und einem Buch. Damals musste ich dazu nur schräg über die Straße, und wenn ich beim Ankommen merkte, dass ich aus Versehen die Zeitung von gestern dabei hatte oder dass der Wein hinüber war, dann hat mich meine Dusseligkeit fünf Minuten gekostet. Wenn das Café Glück hat, dann sind die Parkbesucher von heute genau solche Trienchen wie ich damals und verbammeln ständig ihre Getränke. Wenn es Pech hat, dann will hier immer nur der Lachclub aufs Klo. Ich wünsch ihm Glück!
Dienstag, 26. August 2008
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