Sonntag, 24. August 2008

Der Bio-Pommesstand am Chilehaus

Donnerstag ist Pommestag. Jeden Donnerstag ist Markt auf dem Parkplatz am Chilehaus, und wer in der Nähe arbeitet, hat Glück: Die Bio-Imbissbude am oberen Ende macht richtig gute Pommes. Mit dem Prädikat „das beste XY der Stadt“ ist man in Hamburg schnell. Ich bin ein bisschen vorsichtiger. Wer weiß, ob es nicht irgendwo in Harburg oder Poppenbüttel bessere gibt? Trotzdem: falls ich so jemand wäre, der ständig findet, dass irgendwas das beste der Stadt ist, dann würde ich sagen, die besten Pommes der Stadt gibt es hier. Sie sind knallheiß (da hört es bei vielen anderen schon auf!), gerade richtig dick und lang, haben eine dünne, knusprige Hülle und sind in der Mitte schön cremig. Und die Portion ist genau so groß, dass ich keine Fritte mehr und keine weniger wollen würde. Dass sie dazu auch noch aus Biokartoffeln gemacht werden und dass der Mann hinterm Tresen aussieht wie ein freundlicher Grundschullehrer, der einem bestimmt NIE was Ungesundes verkaufen würde, macht alles noch schöner. Das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, hieß die Fritteuse „Fri-Fri“. Wie Frou-Frou!

Biopommes sind zwar besser als Nicht-Bio-Pommes. Aber der Unterschied ist kein Vergleich zu dem, den man bei der guten Biomayonnaise und den Biowürstchen schmeckt. Es gibt Lammbratwürstchen, die zwar ein bisschen streng schmecken und sich vor allem mit dem Senf beißen, aber trotzdem keine Spur von dem unguten Gefühl hinterlassen, das man manchmal nach einer normalen Weihnachtsmarktbratwurst hat. Das hier ist Bratwurst für Erwachsene! Oder die Currywurst, die hier mit Curryketchup und Currypulver gemacht wird statt mit dieser fiesen braunen Sauce, auf die sich viele Frittenbuden zu Unrecht so viel einbilden.

Wie sich das für eine Bio-Imbissbude gehört, gibt es auch eine Gemüse-Reis-Pfanne (die ich nie essen würde, so lange das bedeutet, keine Pommes zu essen) und Bio-Limo. Im Winter wird es kuschelig, dann drängelt sich die Kundschaft an den zwei kleinen Tischchen unter der Plane zusammen und pustet auf ihre Pommes und ihren alkoholfreien Glühwein.

Was gibt es sonst noch auf dem Markt? Einen Bonbonstand, der genau so stinkt wie alle Bonbonstände auf allen Märkten des Landes. Eine Fischbude, an der man außer Fischbrötchen und frischem Fisch auch ungepulte Krabben kaufen kann. Die kann man dann mitnehmen in Richtung Speicherstadt, sich auf das Mäuerchen am Kanal setzen und eine schöne Sauerei veranstalten. Dann gibt es einen Stand, der nachgemachte Tupperware verkauft (das MUSS eine Geldwaschanlage sein, ich hab noch nie jemanden was kaufen sehen), einen Blumenstand, zwei Hofmetzger-Stände, einen Bäcker, einen wirklich, wirklich schlechten portugiesischen Imbiss, einen Hähnchenstand mit einer langen Schlange davor, einen Stand mit nach Knoblauch riechenden Pasten und einen zweiten Bio-Imbiss, der aber härter drauf ist als unsere Pommesbude. Dort gibt es nur Bratlinge mit Joghurtsauce, Poster giften gegen das Essen von Fleisch, der Mann hinterm Tresen sieht immer aus, als ob er friert, und gegen unsere Bude hat er leider keine Chance.

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