Wenn man im Oktober nach Hamburg zieht, noch nicht weiß, wie einem geschieht und trotzdem schnell das Gefühl haben will, hier zu Hause zu sein, dann habe ich einen Vorschlag: an einem nieseligen Tag mit der U3 bis Landungsbrücken. Decke und Schirm nicht vergessen. Schon in der U-Bahn treibt es einem angesichts der Aussicht die Tränen in die Augen, jedenfalls, wenn man aus Richtung Rathausmarkt kommt. An der Station ein paar dicke Knollen Astra kaufen. Dann per HVV-Schiffchen stromabwärts bis Övelgönne. Egal, wie das Wetter ist: unbedingt draußen stehen, ganz vorne, wo jederzeit Gefahr besteht, dass man patschnass wird, wenn der Fluss das so will. Am Museumshafen aussteigen, die Ausflugslokale mit den Plastikstühlen links und rechts ignorieren und über den Strand bis zur Strandperle stapfen. Die hat um diese Jahreszeit schon zu, deshalb auch das mitgebrachte Astra! In den nassen Sand setzen, die Decke um sich herum mummeln, den Schirm aufspannen, das erste Bierchen öffnen und jetzt eine Stunde nur noch Schiffe gucken und freuen. Laufen dann Spaziergänger vorbei, dann sehen sie einen da sitzen und denken sich: tja, so sind wir Hamburger, 12 Grad und Nieselregen, aber wir sitzen am Strand, als wär's Italien. Jedenfalls kann man sich einbilden, sie würden das denken. Und dann setzt es ein, dieses Gefühl, in einer Stadt zu wohnen, in der es Klischees gibt, denen man sehr gerne entspricht.
Das ist jetzt Jahre her, und wenn ich so nach draußen in den Regen gucke, dann denke ich, das würde ich auch gerne mal wieder machen. (Auch, wenn ich inzwischen gelernt habe, dass man Astra kennerhaft abzulehnen hat, wenn man nicht sofort als Szenedepp gelten will. Davon keine Ahnung zu haben und sich einfach über eine neue Sorte Bier in hübschen Flaschen zu freuen, das es zu Hause nicht gab – das war schön.)
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