Montag, 10. November 2008
Café Paris
Es ist ein bisschen peinlich, darauf reingefallen zu sein: ich dachte früher wirklich mal, das Café Paris wäre richtig alt. Eine Legende, in der schon vor 80 Jahren gute Leute mittelguten Wein getrunken haben und auf diese Art herrliche Abende hatten. Der Schwindel ist zu überzeugend: das alte Gewölbe, die lange, polierte Theke, die irrsinnige Lautstärke, obwohl keine Musik läuft, die Karte und die Kellner, die zu Recht stolz auf ihren Beruf sind. Erst vor vier Jahren hat mir jemand erzählt, dass es das hier erst seit 2000 oder so ähnlich gibt und dass unter diesem jadegrünen Gewölbe früher mal Wurst verkauft wurde. Bis dahin hatte das Café Paris mich aber schon so im Sack, dass mir das egal war. Es hat mich damit gefangen, dass hier jedes kleines Detail gut ist. Nichts ist lieblos. Egal, wie knackevoll der Laden ist, nie wird etwas vergessen, und wenn doch, dann gibt die Bedienung das sofort zu und tut nicht so, als würde sie sich selbst wundern, wo denn der Barmann das XY gelassen hat. Schon das Brot ist so gut, dass man fast satt ist, bis das Essen kommt, aber trotzdem habe ich noch nie etwas liegen lassen. Rund um das Café ist zwar Innenstadt, also viele Menschen, aber in dieser Straße ist sonst nicht viel los. Trotzdem ist es an einem stinknormalen Donnerstagmittag nicht leicht, hier zu zweit unterzukommen. Ich weiß auch nicht, casten die ihr Publikum? Wenn ja, wer macht das? Der macht das nämlich nicht schlecht. Ich komm nicht auf den Trick. Treiben sie einfach jeden im Viertel zusammen, der irgendwie belesen und fröhlich aussieht? Oder müssen alle mit, die in einem Tweedjacket vorbeilaufen? Nein, da muss es ein anderes Muster geben. Im Café Paris wird jeder beruhigt, der heimlich befürchtet, ab 40 spätestens wäre der Spaß aber endgültig vorbei. Hier sieht man noch Erwachsene, die sich mit Würde betrinken können. Und manchmal sieht man Frauen, die aussehen wie Paloma Picasso, neulich stand ein Mann mit Pfeife vor der Tür, und dazwischen irgendwelche Zausel und grässliche Geschäftsleute, die aber irgendwie wieder mögbar werden allein dadurch, dass sie hier sind und nicht woanders.
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