Arme, arme Büchereien. Viele denken, dass sie komisch riechen und dass es dort nur Nerds, alte Frauen und dürre, schmallippige Bibliothekarinnen gibt. Dann gibt es noch die Geschichten von ausgeliehenen Büchern, in denen jemand eine Scheibe Salami vergessen hat. Von solchen Geschichten soll sich aber bitte niemand abschrecken lassen, in die Bücherhallen zu kommen! Das meiste davon ist Blödsinn, obwohl es natürlich wahr ist, dass die Dichte an wirklich heißen Outfits abnimmt, wenn man einmal die Spinde passiert hat. (Die Spinde würden mich fast nerven als die die angeblichen Salami-Lesezeichen. Wieso haben die hier nicht einfach so ein Piepding, das merkt, wenn jemand was klauen will? Blöde Spinde. Ich hasse die Spinde.)
Für Büchereien spricht jede Menge. Lange bevor es die persönliche amazon-Leseempfehlung gab, gab es die meterlangen Regale von Büchereien, in denen man zwar das nicht findet, was man sucht, aber dafür etwas anderes, viel Besseres. Büchereien sind wie ein Laden, den man mit dem Plan betritt, Klopapier und Tomaten zu kaufen, und wenn man rauskommt, hat man ein neues Pony dabei. Jedenfalls die guten Büchereien. Damit eine Bücherei gut ist, muss sie erst mal groß sein. Das sind die Bücherhallen auf jeden Fall. Außerdem ist es wichtig, dass die Auswahl der Bücher nicht von einem Kreis von Menschen betrieben wird, die alle das gleiche wollen, sonst muss am Ende die ganze Stadt ständig diese grässlichen historischen Romane über die Frauen oder Schwestern oder heimlichen Geliebten großer Männer lesen. Auch da hat Hamburg noch mal Glück gehabt. Und dann ist an einer Bücherei noch wichtig, dass sie so gelegen ist, dass man ihretwegen und nur ihretwegen in die Gegend kommt. Dann hat man nämlich Zeit, um vom Plan abzukommen. Wenn man erst mal weiß, dass unten im Spind die Jacke direkt neben einer Tüte voller Muscheln liegt, oder wenn man eigentlich nur auf dem Weg zum Pilates ist, hat man nicht die Ruhe, um herauszufinden, wer eigentlich Pieke Biermann ist. Noch ein Pluspunkt für Hamburg: am Hühnerposten ist sonst nichts. Nur die Deichtorhallen um die Ecke, dann noch der Hauptbahnhof, und ein Asia-Supermarkt schräg gegenüber. Man könnte natürlich hinterher noch im Jena Paradies verabredet sein oder sich die F.C. Gundlach-Ausstellung angucken wollen, aber das fällt zum Glück nicht unter eilige Erledigung.
Ach, Mann, wenn man nur mehr Zeit hätte, um wenigstens einmal im Monat hier so lange an den Regalen vorbeizulaufen und vertikale Bücherrücken zu lesen, bis der Nacken knackt. Und wenn man nur plietsch genug wäre, die Bücher auch wieder abzugeben. Manche von uns, die kriegen das hin, für jedes zweite Buch am Ende den Kaufpreis zu bezahlen. Manche von uns lesen auch immer acht Bücher gleichzeitig, so dass sie am Ende sogar für jedes einzelne zahlen, weil alle erst nach drei Monaten ausgelesen sind. Manche, die stapeln die ausgeliehenen Bücher neben dem Bett, und irgendwann stellen sie dann eine Lampe oder Vase oder sonstwas drauf, so dass sie die Bücher gar nicht mehr als Bücher wahrnehmen, sondern nur als Tischchen, und dann wundern sie sich eines Tages, wenn die Briefe aus den Bücherhallen immer wichtiger aussehen und schon fast zu qualmen scheinen vor Dringlichkeit. Manche sind wirklich zu blöd für die schönen Bücherhallen.
Freitag, 14. November 2008
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